Individuell…

Mehr sehen, weiter gehen, grade stehen für das was Du tust.! Alles zeigen, nichts verbergen, wahre Worte sprechen und sich nicht verstecken.! Mutig sein, Neues wagen, Hallo sagen zu den Dingen, die wir tun würden… gäbe es das Morgen nicht..Das Morgen und das Übermorgen und das Gestern und das Heute geht verloren..Es taucht unter vor lauter Sorgen um das Vergangene und das Kommende und das Mögliche und das Bedrohliche und wird dabei zum lang vergessenen Gestern..Die Gegenwart dauert circa 3 Sekunden hab ich mal gehört..3 Sekunden das sind 19.200 Chancen am Tag im Jetzt zu leben, auf das Gestern zu scheißen und das Morgen mit einem frechen Grinsen zu begrüßen..Die wir nicht nutzen..Weil vor circa 2000 Tagen die 19199 Chance schief gegangen ist..Na und.? Der Turm von Pisa steht schief und wir sind so versessen darauf ein perfektes Leben zu führen, in dem kein kleines Fettfleckchen oder Weintröpfchen oder Riss in der glänzenden Fassade die wundervolle, goldene Halbrealität zerstört..Weil jeder das Gefühl hat, einen Fleck oder einen Riss oder alles Unschöne des Alltags sofort eliminieren zu müssen, als könnte man dadurch alle bereits begangenen Fehler und bestehenden Hässlichkeiten und scheußlichen Missstände auslöschen..Dabei ist gerade das das wahre Leben..Die Wahrheit, nach der jeder sucht..Das Ehrlichste, was das Leben spricht..Die dissonante Musik, die wir manchmal hören müssen..Das krakelige Bild, in dem nur Kleinkinder noch die Schönheit und den Sinn entdecken..Der unreine Reim, der perfiden Perfektionisten in den Ohren schmerzt und der uns trotzdem zum Nachdenken reizt..Weil was reizt und reibt ist gut, weil das bringt uns zum Denken und Entwickeln und Streiten und Versöhnen und Bewegung in die Bude..Wieso sollte immer alles glatt laufen.? Wir sind so versessen darauf, eine eigene, individuelle, außergewöhnliche Spitzenpersönlichkeit zu sein und uns selbst neu zu erfinden, dass wir manchmal vergessen, dass das was wir sind vielleicht auch schon ganz gut ist..Vielleicht vergessen wir das, weil wir so mit individuellem und unkonventionellem Perfektionismus beschäftigt sind, dass wir gar nicht merken, wie wenig wir über uns selbst wissen..Wir sehen uns im Spiegel und denken, wir kennen diese Person, die da steht, nicht erkennend, wie wenig sie uns manchmal ähnelt…
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Grenzenlos…

Kennst du das Gefühl..? Wenn Du Dich selbst siehst auf vergangenen Fotos wie Du weinst, wie Du lachst,wie Du schreist,wie Du tanzt und Du erkennst Dich nicht.? Weil diese Person, die Du siehst, war im Spiegel damals wie heute die gleiche und doch ein Kontrast Deiner Präsenz..Und je weiter Du darüber nachdenkst, desto mehr merkst Du, wie Du Stück für Stück und Minute um Minute das Gefühl für Dich selbst verlierst..Weil Du so sehr mit leben beschäftigt bist, dass Du nicht realisierst, wie die Welt plötzlich einen Filter über Dein Dasein stülpt..Deine verworrene Sicht auf Dich selbst wurde noch um einen Ton dichter und Du musst erst mal das Dickicht entzerren, Dich durchkämpfen, Dich selbst mal kennen lernen und Dir die Hand geben und Dich vielleicht mal zum Essen ausführen, einfach mal zuhören, was Du eigentlich zu Sagen hast..Weil jeder was zu sagen hat..Und was sich zuerst anhört wie eine fremde, unverständliche Sprache, die ein Unbekannter spricht, kannst Du – je länger Du auch mal auf Dich selbst hörst – dechiffrieren..
Macht das fallen das Fliegen nicht berauschend.? Macht die Tiefe das Meer nicht grenzenlos.? Macht der Winter den Sommer nicht unendlich warm und ersehnenswert.?
Und genauso will ich das Leben haben..Berauschend und grenzenlos und ersehnenswert..Dazu muss man wohl mal riskieren, zu zerbrechen und zu fallen..Man muss wohl der Gefahr der eigenen Banalität ins Auge sehen um der Banalität des Lebens zu entfliehen und so paradox und pseudoschlau und verschickt das klingt, man kann darüber nachdenken oder nicht, man kann sich wundern oder nicht, man kann darüber lachen oder nicht..Aber man kann das Leben nicht ignorieren..Denn dann kommt das Leben und lacht dich aus..✌🏼

Fallschirm…

Ist unser Wille ein Konstrukt dessen, was wir für möglich halten..?Spiegelt unser Wille die Hoffnung wieder, mit der wir Menschen und Herausforderungen begegnen, weil wir wissen, dass wir nicht enttäuscht werden..?Ist unser Wille somit ein errichteter Selbstschutz,eine Mauer, die wir um unser Ego bauen, damit die Fassade – zumindest äußerlich – nicht bröckelt..?Damit wir auch dann noch Stärke zeigen können, wenn längst Zeichen menschlicher Schwäche damit begonnen haben, wie die Motten Löcher in unser Kleid zu fressen..?Oder ist unser Wille ein Konstrukt des Unmöglichen..?Spiegelt unser Wille vielmehr einen Akt des Balancierens zwischen Sieg und Niederlage wider, mit der relativen Gewissheit, dass wir uns stets ein bisschen näher am Abgrund befinden und das rettende Ufer jederzeit unter unseren Füßen verschwinden kann..?Spekulieren wir also auf etwaige Enttäuschungen, indem wir unsere Komfortzone unseres Willens wegen bewusst verlassen.?
Mit meinen Vorstellungen reihe ich mich womöglich in die Schnittmenge derer ein, deren Wille einen Hauch idealisierter Menschheitsvorstellungen darstellt, gepaart mit egoistischen Banalitäten..Ist das zu viel.?Oder zu wenig.?Das weiß ich nicht..Aber etwas anderes weiß ich: Wenn wir unseren Willen kriegen, sind wir zufrieden..Vielleicht sogar glücklich.!Doch was passiert, wenn wir unseren Willen nicht kriegen.?Unser Ego braucht keine Mauern,unser Ego braucht manchmal nur einen Arschtritt,ausreichend Anlauf und einen Fallschirm,um den Versuch zu wagen,auch aus dem Unmöglichen das Mögliche machen zu wollen..Die Differenz zwischen dem,was wir bekommen, spielt dann keine Rolle mehr..Schließlich können wir nach einem Fall auch wieder aufstehen..Wir müssen nur wollen..

Marmeladeglas…

Wenn man unglücklich ist, dreht man einfach den Deckel auf und schnuppert ein bisschen daran..
Wisst ihr, was ich mir manchmal vorstelle..? Dass man eine so schöne Zeit einfach in ein Marmeladenglas stecken könnte..Und wenn man unglücklich ist, dreht man einfach den Deckel auf und schnuppert ein bisschen daran..
Klingt nach einer kindlichen Wunschvorstellung, aber was wäre es nicht schön, wenn es solche Gläser wirklich gäben würde..
Marmeladengläser um all die tollen Erinnerungen und Erlebnisse einzufangen und aufzubewahren..Momente in denen wir uns stark gefühlt haben und vollkommen glücklich waren..Und an schlechten Tagen schraubt man ein solches Glas auf und atmet tief ein..Lässt seinen Körper mit den wunderbaren Gefühlen dieser Erinnerung durchströmen und bekommt dadurch neue Kraft..Ich hätte die Möglichkeit ein bisschen länger an den Momenten festzuhalten, die mir wichtig waren und mich bewegt haben..

Ein wenig (mehr) Leben…

„Das Buch musst du lesen“, sagt sie und zeigt auf einen breites Buch im Regal..Ein fataler Ratschlag..

Denn wir beide wissen nicht, was es in mir auslösen wird..Wie sehr es mich konsumiert, aufwühlt, verstört hinterlässt..Dass ich deswegen tagelang kaum einen Bissen runterkriege, nach manchen Kapiteln das Buch weglegen und erst einmal spazieren gehen muss, um meine körperliche Anspannung in den Griff zu kriegen.. 

Sie hat mir damals nicht erzählt, um was genau es in dem Buch geht..Sie hat nur darauf bestanden, dass ich es lese..Am Rande habe ich beim Überfliegen der Feuilletons verschiedener Zeitungen und Facebook-Überschriften dann mitbekommen, dass es ein krasses Buch sein soll, angeblich erschütternd wie kein anderes..Doch ich lasse mich nicht auf solche Superlative ein, die gibt es doch ständig, denke ich.. 

Dann fange ich an zu lesen und darin zu verschwinden..Nicht in die Dynamik der Geschichte, nicht in die Dreidimensionalität der Charaktere, sondern in den Sog der rohen, expliziten Gewalt, des Missbrauchs, der Selbstverletzung und des Selbsthasses..Als ich das Buch zuklappe, die letzte Seite ausgelesen, fühle ich mich leer und müde..Ich spüre diesen Knoten in der Brust, der auch noch bleibt, als ich Stunden später wieder meinem gewohnten Alltag nachgehe..Ich bin immer noch im Buch, immer noch in diesem Sog..Ich verstehe anfangs nicht, warum..

Doch dann spüre ich, wie sich die Antwort ihren Weg bahnt und genauso bitter schmeckt, wie wenn sich der Geschmack von Galle im Mund breit macht..Während für sie dieses Buch nur Fiktion war, ist es für mich Realität..Es gibt diesen Hauptcharakter, Jude St. Francis, und ich kenne ihn..Seine Geschichte ist nicht erfunden, es gibt sie..Nur in meiner Realität besteht er aus einer Person: Mir… 

Sie konnte nicht wissen, dass ich ähnlich aufgewachsen bin wie in diesem Buch..Ich habe ihr nie davon erzählt, weil ich selbst nicht weiß, wie ich damit umgehen soll..Damit, dass ich so lange geschlagen wurde, bis ich ohnmächtig zusammenklappte und von den Menschen missbraucht wurde, die sie lieben und beschützen sollten.. 

Zuhause haben wir früher darüber geredet, mal mehr, mal weniger, mal detaillierter, mal nicht..Je älter ich wurde, desto mehr klammerte ich diese Erinnerungen aus, ich versuchte es..Wenn ich es nicht tat, dann wurden ihre Erinnerungen zu meinen und ich konnte sie nicht so sehen, wie ich sie sehen wollte, wie sie zu sein hatten: stark und erwachsen.. Stattdessen sah ich nur meine geschundene Kinderseele und fühlte, wie sich eine Taubheit in mir ausbreitete, die mich nicht mehr atmen lies..Ich habe es über 700 Seiten lang gelesen, mit jedem Gedanken des Protagonisten..Die Lücken, die ich bisher hatte, scheinen sich zu füllen..Ich frage mich, ob ich mir ständig sagte, dass nicht ich es sei, der das alles passierte und in Gedanken aus meinem Körper trat..Ich frage mich, ob ich mich in der Jugend so viel prügelte und verletzte, um den Schmerz zu externalisieren und sich endlich zu spüren..

Mit jeder Seite werden mir Erinnerungen und Gefühle entgegen geschleudert, so explizit, dass es mir den Atem verschlägt..Ich kann mit jeder Seite weniger an die Fiktion als an die Realität denken..Ich beweine nicht den Protagonisten, sondern mich und alle anderen, die ich nicht kenne, aber weiß, dass es sie gibt..Ich schäle mich aus meiner Rolle als Frau und sehe meine Verletzlichkeit..Ich sehe das unschuldige und gleichzeitig seiner Unschuld beraubte Kind..

Selbst als bereits einige Tage vergangen sind, seitdem ich das Buch durchgelesen habe, muss ich ständig daran denken..Weil mir das Buch einen Gedanken eingepflanzt hat, den ich nicht jäten kann..Ich kann nich aufhören mich zu fragen, ob sich mir damals nicht nur Risse in meinem Fundament zugezogen habe, sondern in meinem Inneren, mein Innerstes, kaputt gegangen ist, damals vor mehr als dreißig Jahren..Und ob ich dies immer ein bisschen von den anderen zu trennen scheine und trennen werde, so als ob ich alles immer durch eine milchige Scheibe wahrnehmen würde..Weil ich nie ganz da bin, sondern ein Teil von mir immer bei den Dämonen meiner Vergangenheit geblieben ist..

Und das Buch..Ich hab´s weg geschmissen…

Die kleine Verzweiflung…

…oder auch: Außen leise, innen laut…

Es ist Nachts, 2:56..Ich könnte mir auch weißgott schöneres um diese Uhrzeit vorstellen..Aber ich sitze im Wohnzimmer, weil ich aufstehen musste.

Wach geworden durch Herzrasen, welches in einer Panikattacke endete..Notfalltablette eingeschmissen und darauf warten, das die Wirkung endlich einsetzt..

Habt ihr schonmal Panikattacken gehabt?Nein?Ich wünsche es keinem..Jeden Tag Todesängste; – schwitzen – frieren – Herzrasen – Schwindel – zittern – verwirrt sein – Übelkeit – Kontrollverlust…

Und..Wisst ihr wie es ist, wenn man plötzlich NICHTS mehr alleine (machen) kann?..Nicht mehr alleine einkaufen, zu Freunden, in die Stadt, zur Arbeit, Bus fahren..Man ist plötzlich völlig isoliert und die eigene Wohnung wird zum Schutzraum..Aber auch nur Tagsüber..Nachts alleine sein?..Ein Albtraum, im wahrsten Sinne..Nachts kommen die Albträume, die mich mit einem Herzrasen wecken und die in Todesangst enden…

Mir tun die Menschen um mich herum leid und mich plagt immer ein schlechtes Gewissen..Gewissen, weil ich die Menschen die mich lieben, dadurch ebenfalls einschränke..Meine Kinder, meinen Partner, meine Freunde..Ich gehe offen damit um, welche Wahl habe ich auch..

Therapien, Hypnosen, Mediationen, zig Medikamente und 15 Jahre später sitze ich nun hier und kämpfe jeden Tag weiter für ein Stück Freiheit..

Es zerstört so viel..Freundschaften, Freiheit, soziale Umfeld, Beziehungen..

Warum ich Panikattacken habe?..Tja, wenn das mal jemand wüsste..

Ich empfinde so viel Dankbarkeit für die Mitmenschen um mich herum..Sie sehen nicht nur das schlechte..Denn ich habe auch gute Tage..Tage, an denen ich alleine das Haus verlassen, einkaufen gehen oder sogar ein paar Stationen Bus fahren kann..Für andere der völlig normale Alltag, für mich ein Highlight..

Ich bin so unfassbar müde..Nicht, weil mir Schlaf fehlt, sondern vom Leben..Wenn Ich Ich wäre, wäre ich lieber jemand anderes..Zumindest gerade und sekundär..

Genießt das Leben, es gibt so viel schönes da draußen ❤